Lohfeldsiedlung - südliche Oststadt

„Sowohl im Fall des Erhalts großer Teile der Lohfeldsiedlung als auch im Hinblick auf eine behutsame Erneuerung des Quartiers zeigt diese Arbeit die größtmöglichen Entwicklungschancen für die südliche Oststadt auf "

aus: Dokumentation ‚Karlsruhe–Oststadt - die Lohfeldsiedlung

Aus der Planerwerkstatt heraus wurde letztlich der Entwurf des Büros Gilbert + Holzapfel weiterverfolgt, der nun dem Bebauungsplan zugrunde liegt.

Von der sozialen Stadt zur 'Solidarischen Bürgerstadt'

Der vorliegende städtebauliche Entwurf nahm zum Anlass, Gedanken aus der aktuellen Debatte zur Abwanderung von spezifischen Bevölkerungsschichten ins Umland in die Stadtplanung einfließen zu lassen.

„Es ist eine stadtpolitische Herausforderung, die Eigentumsbildung mit der Stadterneuerung und Stadtrevitalisierung zu verknüpfen und die Bürger wieder an die Stadt zu binden. Der Bürger stellt ein Vermögen im Hinblick auf Verfügbarkeit von ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital dar. Gelingt es, eine Bindung Stadt - Bürger herzustellen, bleibt die Leistungskraft und Zukunftsfähigkeit in Sinne einer solidarischen Lastenverteilung erhalten.
Selbstgenutztes Wohneigentum zu erschwinglichen Preisen in attraktiven Bereichen der Stadt stellt nach wie vor die Basis dar, die wohneigentumsbildende, urbane Mittelschicht für die Stadt zu gewinnen. Damit wird einem Abwandern der aktiven Mittelschicht entgegengesteuert, nicht nur, um der fiskalischen Auszehrung der Städte entgegenzuwirken, sondern auch, um der sozialen und kulturellen Verarmung zu begegnen." (Georg Adlbert: Chancen für das Wohnen in der Stadt, von, Wohnbauten in Deutschland, Hrsg. Wüstenrot Stiftung, 2002)

Städtebauliche Rahmenbedingungen

Das Planungsgebiet befindet sich im Geltungsbereich des Rahmenplanes Karlsruhe Südost, dessen Grundlage der städtebauliche und landschaftsplanerische Ideenwettbewerb „Karlsruhe - Südost - Gottesaue" war. Die Kriegsstraße-Ost [inzwischen Ludwig-Erhard-Allee] wurde als neue Stadteinfahrt definiert und zu einem großzügigen Boulevard ausgebaut. In dem Rahmenplan wurde das nördlich des Boulevards gelegene Gebiet zu einem Quartier mit charakteristischer Blockrandstruktur entlang der vorhandenen Straßen entwickelt. Die bestehende Lohfeldsiedlung war im Rahmenplan nicht mehr vorgesehen gewesen. Durch eine Bewohnerinitiative waren sowohl die städtebaulichen Qualitäten dieser Einfachsiedlung als auch der Wert einer intakten Sozialstruktur der Lohfeldsiedlung ins öffentliche Bewusstsein gerückt worden.

Städtebauliches Konzept

Ein großzügiger Schwung in Form einer breiten Promenade führt die Achse von Schloss Gottesaue in die Frühlingsstraße und charakterisiert die nach Süden bis an die Kriegsstraße und den Kreisel erweiterte Oststadt. Die verlängerte Frühlingstraße spannt einen grünen Bogen vom Schloss Gottesaue bis zum öffentlichen Park des Alten Friedhofs und stellt die Verbindung zu den vorhandenen Schulen her. Sie schafft damit übergeordnete räumliche und funktionale Bezüge zum Vorteil der gesamten südlichen Oststadt. Die Dimension der Frühlingsstraße ermöglicht einen sanften Übergang zwischen den neu geordneten Wohngebäuden im Bereich der Lohfeldsiedlung / Eisenbahnerwohnungen und dichterer Blockbebauung entlang der Kriegsstraße.

Das Gesamtkonzept geht vom einem Teilerhalt der Lohfeldsiedlung aus. Von diesem Kern ausgehend wird ein wenig verdichtetes Wohnquartier nördlich der Frühlingstrasse entwickelt.

Das Gebiet zwischen Kriegstraße-Ost [inzwischen Ludwig-Erhard-Allee] und Frühlingsstraße ist als Mischgebiet ausgewiesen. Dieses Gebiet ist stärker verdichtet (GFZ bis ca. 4,0) und bildet mit einer siebengeschossigen Bebauung eine angemessen hohe Raumkante zum Boulevard. Es wird die bestehende Traufkante der Friedrich-List-Schule aufgenommen und fortgeführt.

Grünkonzept - Frühlingsstraße als Allee und Promenade

Die verlängerte Frühlingsstraße spannt einen grünen attraktiven Bogen vom Schloss Gottesaue bis zum öffentlichen Park des Alten Friedhof und übernimmt so übergeordnete räumliche und funktionale Bezüge z.B. die Verbindung zu den Schulen oder der Innenstadt. Die Frühlingsstraße wird zu einer Allee ausgebaut, die auch auf die bestehende Frühlingsstraße ausgeweitet werden soll. Die nördliche Seite der Frühlingsstraße wird als großzügige Promenade gestaltet. Diese übernimmt sowohl Funktionen eines Quartiersplatzes, als auch z. B. die Funktion eines sicheren Schulwegs. Die Promenade wird in einem besonderen Belag gestaltet, in die die Alleebäume integriert sind. Um die Vorrangstellung der Promenade vor den einmündenden Straßen zu gewährleisten, sollen die Kreuzungen aufgepflastert werden. Auch die Gottesauer Straße soll wieder alleeartig angelegt werden.

Der jüdische Friedhof soll im Stadtgrundriss als „hortus conclusus" freigestellt werden. Durch einen umlaufenden, öffentlichen Weg, der mit Bäumen (Pappeln o.ä.) gesäumt ist, wird die bestehende Friedhofsmauer aus Sandsteinen wieder von allen Seiten zugänglich bzw. erlebbar.

Baujahr 2002

Standort Karlsruhe, südliche Oststadt

Auslober Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt

Bauherr Stadtplanungsamt Stadt Karlsruhe